Bundeswasserstraßen (Bildvergrößerung mit Klick)
Über die Oberweser wird nun wieder
regelmäßig Fracht transportiert - Vertiefung noch nicht
geplant.
Von Frank Thonicke
KASSEL. Zurzeit sind noch 140
Millionen Kubikmeter Wasser im rund 200 Mio. Kubikmeter fassenden
Edersee. In den nächsten Tagen wird er leerer. Dann ab dem
Wochenende wird das Wasser- und Schifffahrtsamt in Hann. Münden
Wasser ablassen.
Der Grund: Am 31. Juli werden zwei Frachtschiffe
über die Oberweser nach Hann. Münden kommen. Sie sind mit 407
Tonnen schweren Guss-Eisenteilen beladen, die aus England kommen
und für das Unternehmen Richter in Hessisch Lichtenau
(Werra-Meißner-Kreis) bestimmt sind. Damit die Schiffe genug Wasser
unterm Kiel haben, muss es aus dem Edersee abgelassen werden. Im
Gegenzug wird die Firma Richter - ein weltweit tätiger Produzent
großer Maschinenteile - für eine Schmiedepresse ein 166 Tonnen
schweres Gussstück verladen, das zurück nach England geht.
"Der einzige Transportweg für so schwere Teile ist
der Wasserweg", sagt Joachim Kraus, Prokurist und Vertriebsleiter
bei Richter Maschinenbau. Denn viele Autobahnbrücken seien zu alt.
Kraus: "Bei 130 Tonnen fangen die Schwierigkeiten an. Wir sind
froh, dass wir die Oberweser als Ventil gefunden haben."
Ende Juni war die Mündener Weserumschlagstelle von
der Firma Richter nach 30 Jahren wieder aktiviert worden. 250 000
Euro wurden in Verladekräne investiert. Es gab bereits zwei
Transporte.
Steht damit eine Renaissance der Binnenschifffahrt
auf der Oberweser bevor? Tatsache ist, dass das Unternehmen Richter
mit 200 Beschäftigten weitere Maschinenteile über den Fluss
transportieren wird. Für Ende August und Anfang September sind
bereits zwei weiter Transporte beim Schifffahrtsamt angemeldet. Der
Nachteil: Jedes Mal muss Wasser aus dem Edersee abgelassen werden.
Denn normalerweise ist die Oberweser zu flach. Bei einem Pegel von
1,20 Meter in Hann. Münden ist dort nun ein Meter Wasser im Fluss.
Das ist zu wenig für die meisten Binnenschiffe. So hoffen viele,
dass die Oberweser eines Tages ausgebaggert wird. Ein Interessent
könnte auch der Kasseler Düngemittel-Produzent K+S sein. Das
Unternehmen könnte theoretisch das salzige Abwasser der Halde in
Neuhof bei Fulda mit Lastwagen nach Hann. Münden bringen, um es
dort in Schiffe zu verladen, die es zur Nordsee transportieren.
Dies hat K+S schon durchgerechnet. Ergebnis: Bisher lohnt es sich
nicht.
Das sähe anders aus, wenn die Oberweser ständig
schiffbar wäre. Dach Pläne für einen Ausbau gibt es derzeit
nicht.
Quelle: HNA Melsunger Allgemeine
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