Alles im Griff: Steuermann Christian Scharfenberg ist auch Herr des 1200 PS starken Diesel-Aggregat der Marwi. Foto: HNA
Hann. Münden. „Irgendwie wird das schon laufen“, sagt
Christian Niemann. Ganz wohl ist dem Kapitän des
Motor-Binnenschiffs Marwi allerdings nicht bei dem Gedanken an das,
was ihn heute auf der Fahrt die Weser hinab nach Minden
erwartet.
„Ich bin ja schon auf fast allen Flüssen und Kanälen in ganz
Europa mit meinem Schiff unterwegs gewesen, aber so wenig Wasser
wie hier habe ich noch nie unter dem Kiel gehabt“, sagt er.
Die Oberweser sei für den 33-jährigen Schiffseigner – einem der
Jüngsten in ganz Deutschland – „bislang das Anspruchsvollste, aber
auch das Schönste, was ich je gefahren bin“. Schließlich liebe er
Herausforderungen wie diese.
Die Marwi ist eines von zwei Schiffen, die am ersten
Schwertransport des Jahres die Weser hinab beteiligt sind. Mit
seinen 82 Metern ist das 1972 vom Stapel gelaufene Binnenschiff
zwar nicht das längste, mit 1615 Tonnen Ladekapazität aber das
größte, das die Dreiflüssestadt jemals angelaufen ist.
„Auf dem Weg hierher hatten wir teilweise gerade mal 20
Zentimeter Wasser unter dem Kiel“, berichtet Niemann. Da sei ihm
dann doch ganz schön mulmig geworden.
Und da sein Schiff mit dem gewaltigen, neun Meter langen, knapp
sieben Meter breiten und rund 150.000 Kilo schweren Maschinenteil,
dass er für die Hessisch Lichtenauer Firma Richter ins belgische
Geel transportieren soll, eben diese 20 Zentimeter tiefer im Wasser
liege, bedürfe die Fahrt schon genauester Planungen. Daher würden
er und Lotse Heinz Guicking, der ihn bis Minden auf der Brücke
unterstützen wird, den Wasserpegel ganz genau im Auge behalten.
Dass die Fahrt auf diesem engen und kurvenreichen Fluss gerade
„talabwärts“, also mit der Strömung, alles andere als leicht wird,
liegt aber nicht nur am verhältnismäßig großen Tiefgang der
Marwi.
„Bei einer Geschwindigkeit von 14 Kilomtern pro Stunde haben wir
einen Bremsweg von bis zu 500 Metern“, erklärt der Kapitän. Und
das, obwohl sein Schiff auf dem modernsten Stand der Technik ist
und über einen neuen, 1200 PS starken Dieselmotor und ein 280
PS-Bugstrahlruder verfügt, das ebenfalls für Bremsmanöver
eingesetzt werden kann. Und so könne man eben nur hoffen, dass sich
unterwegs keine unerwarteten Hindernisse auftun.
Weitere Infos zum Schiff: ms-marwi.de
Bilder zum Schwertransport unter www.hna.de/foto
Von Per Schröter
HNA Hann. Münden vom 24.01.2010
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