Ein Stahlkoloss geht auf Reise
250 Tonnen – das ist ungefähr das Gewicht von 50
Elefanten. So viel wiegt das Bauteil einer Stahlpresse, das in den vergangenen
Tagen unter spektakulärem Aufwand von Nordhessen aus auf den Weg nach Sibirien
gebracht wurde.
In Russland sollen mit dem Ungetüm aus Stahl künftig riesige Rohre
für Erdgasleitungen hergestellt werden. Doch bis Sibirien ist es ein weiter Weg
– erst recht für einen Transport in dieser Größenordnung. Hergestellt hat die
Presse die Stahlbaufirma Richter in Hessisch Lichtenau, von wo aus das Bauteil
auf die Reise ging.
Das Ziel der ersten Etappe, die in der Nacht von
Mittwoch auf Donnerstag absolviert wurde, lautete Gimte, ein an der Weser
gelegener Stadtteil im niedersächsischen Hann. Münden. In der Nacht zum Sonntag
dann folgte in Gimte das Umladen vom Land auf ein spezielles Pontonfloß, mit dem
das Ungetüm aus Stahl in den kommenden Tagen in den Hafen von Rotterdam
geschifft werden soll. Von dort aus geht es auf dem Seeweg weiter nach Sankt
Petersburg und schließlich zum Zielort Nizhegorododsky in Sibirien.
Eine insgesamt mehrere tausend Kilometer lange Reise, doch das
schwerste Stück dürften die ersten 43 Kilometer von Hessisch Lichtenau aus nach
Gimte gewesen sein. In monatelanger Planungsarbeit hatte das Hessische Landesamt
für Straßen- und Verkehrswesen die Reise ausgetüftelt. Am späten Mittwochabend
war es dann endlich soweit. Doch 250 Tonnen müssen erst mal in Bewegung kommen.
Ein einzelner Sattelschlepper reichte in diesem Fall nicht aus – ein Zweiter
musste das Schwergewicht von hinten anschieben. Später zog sogar noch ein
dritter Sattelzug von vorne mit.
5 Stunden für 43 Kilometer
Auf einer Länge von 50 Metern, verteilt auf 24 Achsen mit je 4
Rädern, schleppte sich der Schwertransport von Hessisch Lichtenau aus über
Bundesstraßen und Autobahnen. Rund fünf Stunden benötigte der Transport für die
43 Kilometer lange Strecke. Dabei galt es allerlei Hindernisse aus dem Weg zu
räumen: Auf der Bundesstraße 7 standen mehrere Ampeln im Weg und mussten
beiseite gedreht werden. Besonders kritisch waren die verhältnismäßig engen Auf-
und Abfahrten zur Autobahn 7. Größere Zwischenfälle gab es keine: Nur eine
verklemmte Bremse sorgte kurz für Aufregung.
Nach drei Tagen Wartezeit –
das Spezialfloß war nicht rechtzeitig angekommen – ging es am Samstag von Gimte
aus weiter. Das eigentlich ungewöhnliche daran: Auf diesem Teil der Weser ist
seit vielen Jahren gar kein Frachtschiffverkehr zulässig, dort schippern sonst
nur Ausflugsdampfer vorbei. Für die Stahlpresse musste also eine Ausnahme
gemacht und sogar eine Anlegestelle auf einem stillgelegten Bundeswehrgelände
errichtet werden.
Mit penibler Präzision konnte der 250-Tonnen-Koloss
auf das rund 70 Meter lange Pontonfloß gerollt werden. Angetrieben von zwei
Schubbooten – eins vorne, eins hinten – machte sich der Schiffsverband auf die
nächste Etappe. Doch auch das braucht seine Zeit – die Höchstgeschwindigkeit
beträgt immerhin ganze 12 Stundenkilometer.
Quelle: www.hr-online.de (kahu /
makn)