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Die Schwergewichtler

Spezialauftrag: Die Richter AG schweißt riesige Pressenteile für Petersburg

Hessisch Lichtenau · Der Großauftrag passt nicht durchs Tor. Der Maschinenbauer Richter AG hat es verbreitert, hat auch gleich die Ausfahrt verlängert, damit der riesige Tieflader später die Kurve kriegt. Denn auf den Weg gebracht wird ein Koloss aus stumpf-grauem Stahl, 12,5 Meter lang, fünf Meter breit und 188 Tonnen schwer - Stücke einer Rohrformpresse für das russische Petersburg. Vier Teile der Anlage, die später Pipelines herstellen wird, bearbeitet der Maschinenbauer aus Hessisch Lichtenau: Brennen, zusammenschweißen, glühen und anschließend mechanisch bearbeiten, heißt das Programm. Zwei der Kolosse stehen in der Halle, zwei weitere sind in Anarbeitung. War 2004 für Richter das „Jahr der Bohrköpfe“ - mehrer Meter hohe Komponenten, die sich später beim Bau von Tunneln oder Bewässerungsgräben durch die Erde wühlen - ist das Programm für 2005 gemischt, wie Unternehmensvorstand Axel Richter sagt. Denn das vor 60 Jahren in Kassel gegründete Unternehmen hat keine eigenen Produkte - „Das ist unser Vorteil“, sagt Prokurist Joachim Kraus.

Statt sich von einer Brachensparte abhängig zu machen, erledigt man für Anlagenbauer jeder Ausrichtung gewichtige Aufträge: Richter schweißt, fräst, bohrt, glüht und montiert Stahlteile, die nicht selten 80 Tonnen wiegen und 20 Meter lang sind - exakt nach Plan und mit Abweichungen im hundertstel Millimeter Bereich. Gut 90 Prozent der Teile gehen dank international arbeitender Auftragsgeber ins Ausland. Am liebsten haben die Kunden die gesamte Bearbeitung aus einer Hand - eine Tour der Schwergewichte von einem Bearbeiter zum nächsten wäre zu teuer. Die bunte Mischung in den Auftragsbüchern zeigt, wo die Wirtschaft brummt. Gegenwärtig verdient das Unternehmen mit seinen 200 Mitarbeitern am Rohstoff- und am Energie-Boom mit. In der Halle liegen der Arm eines Baggers, der in Australien im Tagebau nach Gold gräbt und die Antriebskettenglieder von 1000 Tonnen schweren Baggern, die Ölschiefer fördern. Auf diese Aufträge ist Axel Richter stolz: „Wir sind zu einem strategischen Partner für den Kunden avanciert.“

Auch beim Wind sind die Nordhessen dabei. Sie haben Prüfstände für die Getriebe von Windkraftanlagen gebaut, die eine Leistung von fünf Megawatt schaffen. Prüfstände, die es mit 25 Megawatt-Getrieben aufnehmen können, sind in Planung.

Das Geschäft brummt, gearbeitet wird im Dreischicht-Betrieb, das neue Bohr- und Fräszentrum mit seinem stattlichen 21 Meter Fahrweg wurde erst einige Monat nach der Anlieferung in Betrieb genommen. Der Grund: „Wir hatten keine Zeit, die Maschine, die ausgetauscht werden musste, war voll belegt.“

Hintergrund
Richter Maschinenfabrik AG

Die Adam Richter Maschinenfabrik wurde 1945 in Kassel gegründet. Sie begann rasch mit dem Pressenbau und beschäftigte in den 50-er Jahren 500 Mitarbeiter. Anfang der 60-er Jahre verkaufte der Firmengründer Adam Richter sein Unternehmen aus gesundheitlichen Gründen. 1966 gründetet die Familie aber zwei Standorte in Gladenbach im Siegerland, die Paletten und Baumaschinen herstellten. Die Fertigung wanderte 1969 in die neu gegründete Adam Richter & Sohn Maschinenbau GmbH in Hessisch Lichtenau. Die Gitterbox-Paletten wurden von Transportgestellen abgelöst. Beides wurde später aufgegeben. Mit dem Werksneubau in Hessisch Lichtenau 1986 etablierte sich Richter im Großmaschinen- und Anlagenbau.

Quelle: HNA Wirtschaft


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Schweißnähte müssen exakt sitzen. Die Richter AG in Hessisch Lichtenau ist auf große Teile spezialisiert. (Foto: Herzog)
Aktualisiert am 10.03.2009