
Etwas mehr als 13 Meter beträgt der Durchmesser dieses Bohrkopfes, der nach seiner Fertigstellung zum Tunnelbau in Zentralspanien eingesetzt werden soll. Firmenchef Axel Richter (helles Hemd) macht sich ein Bild vom Fortgang der Arbeiten. Fotos: Dieter Salzmann
Maschinenfabrik Richter baut in Hessisch
Lichtenau
die mächtigsten Geräte der Welt.
V O N D I E T E
R S A L Z M A N N
HESSISCH LICHTENAU. Groß ist für
Axel Richter nicht groß genug und schwer ist immer noch zu leicht.
In Richters Unternehmen in Hessisch Lichtenau entstehen wahrhaft
Riesengeräte - eines größer, höher, schwerer als das andere.
Bohrköpfe zum Beispiel, um Eisen- oder Autobahntunnel durch die
Berge zu bohren. Derzeit ist ein Bohrer mit einem Durchmesser von
13,20 Metern in der Produktion, der nach Fertigstellung 74 Tonnen
wiegt und die Region um die spanische Hauptstadt Madrid
durchlöchern soll.
Noch größer wird es im kommenden Jahr zugehen, wenn
das Unternehmen ein Schneiderad baut, mit dem die Zufahrtswege für
die russische Olympiastadt Sotschi durch den Kaukasus gegraben
werden sollen.
Gleich nebenan schweißt ein Arbeiter eine Naht an
der größten Baggerschaufel der Welt, die, wen wundert's, für den
größten Hydraulikbagger der Welt, den 1000 Tonnen schweren RH 400
hergestellt wird. Die Schaufel fasst 45 Kubikmeter - das entspricht
einem Zimmer, das fünf Meter lang, drei Meter breit und drei Meter
hoch ist.
Ausleger, Wagenrahmen und die 96 Kettenglieder, von
dem jedes einzelne eineinhalb Tonnen wiegt, werden ebenfalls in
Hessisch Lichtenau gebaut. Der Bagger wird beispielsweise in Kanada
zur Gewinnung von Ölsand eingesetzt, ein angesichts steigender
Energiepreise lohnendes Unternehmen. „An Mining- Baggern herrscht
derzeit große Nachfrage“ sagt Firmenchef Axel Richter. Derzeit
liegen Aufträge für weitere 14 Maschinen vor.
Dem Unternehmen mit seinen 200 Beschäftigten geht
es gut. Der Betrieb arbeitet derzeit in drei Schichten rund um die
Uhr.
Firmenchef Richter sieht sein Unternehmen als das
einzige in Europa, das Produkte „in größtem Stil“, wie es
selbstbewusst auf der Homepage heißt, alles aus einer Hand
produziert. Im Prinzip kommt ein unbearbeiteter Metallblock aus der
Gießerei in die Produktionshalle, die er dann als fertiges
Werkstück wieder verlässt. Auf diese Art passieren 15 000 Tonnen
jährlich die beiden Werkshallen des Unternehmens in Hessisch
Lichtenau. Die Firma Richter stellt - mit einer Ausnahme, einem
Thermobehälter für Asphalt, der bei Straßenreparaturen zum Einsatz
kommt - keine eignen Produkte her. „Wir produzieren das, was ein
Kunde bei uns bestellt“, so Richter. Die meisten seiner Kunden
kommen zwar aus Deutschland, aber mehr als 90 Prozent der in
Hessisch Lichtenau hergestellten Produkte wandern ins Ausland. So
werden Wannen produziert, in denen der Flugzeugbauer Airbus die aus
Kunststoff bestehenden Flügel und Leitwerke presst. Konjunktur
haben derzeit auch Windkraftanlagen.
Richter baut Turbinen- und Generatorengehäuse für
Anlagen mit einer Leistung von bis zu sechs Megawatt. Da alle
Geräte vor dem Einbau in 100 und mehr Metern Höhe auf dem Land oder
vor der Küste auf Funktionstüchtigkeit getestet werden müssen,
liefert Richter die Generatorenprüfstände gleich mit.
Auf der bis dahin weltgrößten Windkraftanlage, der
Repower 5M bei Brunsbüttel an der Elbe befindet sich in 120 Metern
Höhe der in Hessisch Lichtenau gefertigte Generator- und
Maschinenträger mit einem Gewicht von insgesamt 92 Tonnen.
Spektakulär war der Bau von acht Weichen für die
Transrapidstrecke in Shanghai, von denen jede aus drei je 26 Meter
langen Segmenten besteht. Die Weichen bestehen aus biegsamem
Metall, das in die jeweilige Richtung gezogen werden kann, damit
die Magnetschwebebahn auch mit Tempo 200 das Gleis wechseln kann.
Im Unternehmen wird bedauert, dass der Transrapid in Deutschland
nicht gebaut wird.
Das bisher schwergewichtigste Teil verließ die
Montage im vergangenen Jahr Richtung Russland: Ein 240 Tonnen
schweres Bauteil für eine Presse zur Herstellung von Pipeline-
Rohren ist inzwischen an seinem Bestimmungsort Tscheljabinsk hinter
dem Ural angekommen.
Den Standort Hessisch Lichtenau hält Unternehmer
Richter für ideal: „Wir liegen mitten in Deutschland und damit auch
in Europa zentral“, sagt er. Durch den geplanten Weiterbau der A 44
erwartet das Unternehmen einen noch besseren Anschluss an das
deutsche Fernstraßennetz.
Quelle: Werra Rundschau