Der Durchschlag des Gotthard-Basistunnels am 15.
Oktober 2010 in der Oströhre ist der entscheidende Meilenstein
auf dem Weg zum längsten Eisenbahntunnel der Welt. Die Schweiz
bringt mit dem 2-mal 57 Kilometer langen Jahrhundertbauwerk durch
die Alpen den Norden und Süden Europas auf der Schiene näher
zusammen. Herrenknecht-Gripper-Tunnelbohrmaschinen haben nach
Projektabschluss insgesamt mehr als 85 km der Hauptröhren gebohrt
und gesichert.

© Herrenknecht
Giganten im Hartgestein
2017 sollen die ersten Hochgeschwindigkeitszüge mit 200 bis 250
Stundenkilometern über oder besser durch die Neue
Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT) brausen. Die Fahrzeit von Zürich
nach Mailand wird sich damit um eine Stunde auf 2 Stunden 40
Minuten verkürzen. Zeitgewinne rechnet sich die Schweizer Bahn
besonders für den Gütertransport aus, wichtig nicht zuletzt für den
Transitverkehr zwischen Deutschland und Italien. Eine neue Ära im
transalpinen Schienenverkehr beginnt. Morgens von der Bahnhofstraße
in Zürich zum ausgiebigen Shoppen in die ebenso noble Mailänder
Galleria Vittorio Emanuele II, am Nachmittag mit ein paar Tüten
feinsten italienischen Designs wieder zurück. Nur ein Traum? Im
Jahr 2017 könnte diese Vision Wirklichkeit werden.
Möglich wird der Katzensprung zwischen den Wirtschaftsmetropolen
durch ein beispielloses Jahrhundertprojekt: den Bau des Neuen
Gotthard-Basistunnels, ergänzt um den Ceneri- und den
Zimmerberg-Basistunnel. Auf einer Länge von 57 Kilometern und in
einer Höhe von maximal 550 Metern über Normalnull, also wirklich am
Fuß des St. Gotthard, werden zwei einspurige Tunnelröhren das
Alpenmassiv sozusagen von Talboden zu Talboden auf einer nahezu
flachen Bahn unterqueren. Passé sind dann die Zeiten, da die
Reisenden an der Bahntrasse beinahe Blumen pflücken konnten und
sich vor allem Güterzüge mit Doppellokomotiven über steile
Steigungen quälen mussten.
Das längste Weltwunder der Welt.
„Europa erhält einen leistungsfähigen Schienenkorridor mitten
durch die Alpen, damit seine Güter umweltfreundlich von Rotterdam
nach Genua transportiert werden können“, fasste der Schweizer
Bundesrat Moritz Leuenberger die Bedeutung des „längsten
Weltwunders der Welt“ in Worte. Und: „Wir arbeiten mit am Aufbau
der Infrastrukturen Europas, auch wenn wir nicht in der EU sind.“
Die Schweiz verfolgt mit diesem wirklich gewaltigen Kraftakt nicht
zuletzt das Ziel, möglichst viel Transportgut von der Straße auf
die Schiene zu bringen und damit die Umwelt erheblich zu
entlasten.
Diesem Ziel nähert sie sich mit Riesenschritten. Im „Rohbau“ ist
der längste Eisenbahntunnel der Welt nahezu fertiggestellt, am 15.
Oktober 2010 erfolgte der entscheidende Durchschlag an der Grenze
zwischen den Baulosen Faido und Sedrun, also etwa auf der halben
Tunnelstrecke. Damit wird die wohl wichtigste Etappe eines
spektakulären Unterfangens abgeschlossen sein, dem Beachtliches
vorangegangen war: fast ein halbes Jahrhundert intensiver und immer
wieder den technischen Möglichkeiten und geologischen Erkenntnissen
angepasster Planung ebenso wie mutige und weitsichtige politische
Entscheidungen. Eine erste Idee für einen Gotthard-Basistunnel kam
schon 1947 aufs Tapet – der eigentliche Tunnelbau begann aber erst
2001.
Weiter: Insgesamt 152 km Tunnel, Stollen und
Schächte (Link zu herrenknecht.de) ->
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2010
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